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Zum ersten Mal Australien – Monique

An einem Freitagabend im Januar 2004 saß ich ein letztes Mal mit meiner Familie zusammen. Der Rucksack war prall gepackt, alle Freunde verabschiedet und im Hintergrund dudelte die allererste Folge vom Dschungelcamp live aus Australien. Mich erfasste eine wilde Aufregung, denn am nächsten Morgen würde ich für ein ganzes Jahr in mein Abenteuer Australien aufbrechen. Als wir uns am Samstagmorgen in Berlin Tegel ein letztes Mal umarmten und ich schließlich in der Lufthansamaschine auf meinem Platz saß, war ich unendlich nervös.
Denn dies sollte der erste Flug in meinem Leben überhaupt werden. Gebannt beobachtete ich, wie das Flugzeug auf die Rollbahn fuhr, dann gab der Pilot ordentlich Gas, die Turbinen dröhnten und ich klammerte mich an meiner Armlehne fest, als wir kurz darauf abhoben und mich die Schwerkraft in meinen Sitz drückte. Noch heute fährt mein Magen vor Freude und Aufregung Achterbahn in diesem Moment. In Frankfurt schwebte ich förmlich durch den Flughafen und als ich in den riesen Jumbo der Singapore Airlines stieg, wusste ich, dass nun ein neues Kapitel in meinem Leben begonnen hatte.

Damals kamen mir die Flüge nach Singapur und Melbourne noch erstaunlich kurz vor. Trotzdem war ich froh, als wir endlich australischen Boden berührten. Australischen Boden! Das andere Ende der Welt, einfach unfassbar! Ich war noch nicht ganz bei mir, als der Einreisebeamte mit meinem Reisepass davon stiefelte und ich kurz überlegte, ob man mich jetzt noch nach Hause schicken konnte.
Kurze Zeit später aber kam er lächelnd zurück, in meinem Pass klebte das Working Holiday Visum und er wünschte mir eine wunderbare Zeit down under. Die typisch australische Freundlichkeit sorgte wirklich dafür, dass ich mich auf Anhieb willkommen fühlte.

Obwohl es schon später Abend war und ich eigentlich nicht viel erkennen konnte, grinste ich wie ein Honigkuchenpferd auf der Fahrt in die Innenstadt in mein allererstes Hostel. Noch Tage später wandelte ich neugierig, fast ungläubig durch die Straßen von Melbourne und freute mich diebisch über die Wärme mitten im Januar, während in Deutschland alle vor sich hin froren. Ich ließ mich treiben, sog alles in mich auf und der erste Meatpie war genauso lecker, wie das erste Toohey’s. Und all die Begegnungen mit Gleichgesinnten eröffnete mir eigentlich erst zu diesem Zeitpunkt, welche Möglichkeiten ich in meinem Jahr Australien haben würde.

Irgendwann stand ich mit einer Karte in der Hand verloren bei den Queen Victoria Markets und wurde sofort freundlich angesprochen. Man bot mir nicht nur Hilfe an, sondern ich könnte doch auf einen Drink zu den Freunden auf dem Markt vorbei schauen. Eine Erfahrung, die jeder Reisende in Australien so oder so ähnlich garantiert unzählige Male machen wird! Australier sind offen, freundlich und sehr interessiert. Als ich meine erste Arbeitsstelle in der Abgeschiedenheit Victorias antrat, bezog ich ein kleines Zimmer im einzigen Pub des kleinen Ortes. Da Touristen dort rar gesät waren, hat sich das ziemlich schnell rumgesprochen und ich wurde nicht nur extrem freundlich aufgenommen. Die Leute kümmerten sich richtig um das junge Mädchen aus Deutschland. Am ersten Abend wurde ich heldenhaft vor einer dicken, haarigen Huntsman Spinne gerettet, die sich in meinem Zimmer breit gemachte hatte. Natürlich nicht ohne den neckischen Spott und dem grinsenden Hinweis, dass Spinnen nie allein jagen. Was war das für eine schlaflose Nacht! Erstaunlicherweise war das am Ende meiner Reise eine der wenigen, intensiven Krabbeltierbegegnungen.

Australien hielt noch viele Überraschungen und prägende Erinnerungen für mich bereit. Ich lernte, dass man den Uluru von Alice Springs aus nicht sehen kann. Nach Wochen auf Tomaten- und Bohnenfarmen konnte ich das Gemüse im Schlaf sortieren. Die harte Arbeit ließ mich die freie Zeit, meine Unabhängigkeit in Australien und auch das Leben doppelt schätzen.

Nach gut 6 Monaten Ostküstentour mit dem Bus war ich ein typischer Backpacker. Mit Rucksack und Lebensmitteltasche bepackt, zog ich von Ort zu Ort und traf oft bekannte Gesichter. Als der Bus schließlich in Cairns einfuhr, spielte der Fahrer den Song „Good Riddance (Time of your life) von Green Day. Für viele Reisende war das Abenteuer Australien hier zu Ende und ich ließ mich von der  Wehmut und leisen Traurigkeit anstecken. Doch während die anderen zum Flughafen aufbrachen, wusste ich, dass noch ein ganzes halbes Jahr Australien vor mir liegt, das ich ausgiebig genießen werde!

Im Januar 2005 war ich schließlich zurück in Deutschland und schon auf dem Heimflug verspürte ich diese brennende Sehnsucht, die mich seit dem viele Male zurück nach Australien geführt hat.