Aufgrund seiner geografischen Isolation ist der äußerste Nordosten Indiens relativ unbekannt. Nur wenige Besucher kommen hierher, obwohl die Region eine große Vielfalt an faszinierenden Landschaften, ethnischen Gruppen und Religionen sowie seltenen Tieren aufweist.

Der Bundesstaat Assam, bekannt für den gleichnamigen Tee, schmiegt sich auf einer Länge von 720 km, an den Fluss Bhramaputra. Der 2.900 km lange Strom entspringt einer Quelle am heiligen Kailash in Tibet und mündet in den Golf von Bengalen, nachdem er sich kurz vorher mit dem heiligen Ganges zu einem riesigen Flussdelta vereinigt hat. In Assam liegt der Kaziranga-Nationalpark, der 1985 zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt wurde. Er beheimatet das seltene indische Panzernashorn, eine gefährdete Spezies, die schon kurz vor dem Aussterben war. Daneben gibt es zahlreiche weitere Wildparks und Naturschutzgebiete. Faszinierend ist auch die Vielfalt der Stammesverbände Assams, die sich in Kultur und Religion deutlich von den Völkern in den übrigen Landesteilen unterscheiden.

Assam ist ein Sammelbecken vieler verschiedener Stammesverbände. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wanderten die Thai-Ahom von Osten her über Burma ein, ließen sich in den fruchtbaren Tälern des Brahmaputra nieder und gründeten ein kleines Königreich, das sich im 16. und 17. Jahrhundert ausweitete. Die Ahom nannten sich selbst Assam. Sie herrschten 600 Jahre über das Land, bis sie von den Birmanen und später von den Briten besiegt wurden.

Noch heute gibt es in Teilen des südlichen Assam die Minderheit der Phake, die Thai sprechen, dem Buddhismus anhängen und ihre Traditionen pflegen.

Dibru-Saikhowa-Nationalpark

Hier können Sie die bunte Vogelwelt des Nationalparks aus unmittelbarer Nähe beobachten. Der nahe gelegene Brahmaputra überschwemmt das Gebiet regelmäßig und schafft so die Voraussetzungen für die große Artenvielfalt. 502 Wasservogelarten, 104 Arten von Fischen, 43 Reptilienarten und 105 Arten von Schmetterlingen leben hier.

Ketetong

Hier liebt das Volk der Singpho, dessen Geschichte nur in Legenden überliefert ist. Die Singhpo sollen ursprünglich aus Tibet stammen und sich dann in mehrere Gruppen geteilt haben. Eine Gruppe soll über Burma nach Assam eingewandert sein. Von der Religion her Buddhisten konnten sie ihre soziale und kulturelle Identität innerhalb der übermächtigen hinduistischen Bevölkerungsmehrheit erhalten. Obwohl sie nur eine Minderheit darstellen, konnten sie dennoch ihre Identität, ihre Trachten, Sprache, die Bräuche und Traditionen erhalten und pflegen.

Die nationale Minderheit der Singhpo gehört zu den mächtigsten Stämmen Assams. Tee kannten die Singhpo schon lange vor den Engländern. Es ist überliefert, dass die Brüder Bruce von der East India Company von den Singhpo von der Existenz des Tees erfuhren. Robert Bruce, dem die Entdeckung des Tees nachgesagt wird, war in Assam in den 20-er Jahren des 18. Jahrhunderts ein pflanzliches Gebräu angeboten worden. Er beschäftigte sich danach intensiv mit dem Getränk und entdeckte so den Tee.

Dibrugarh

Dibrugarh ist das Zentrum des berühmten Assam-Tees. Die Stadt ist von grünen Teeplantagen umgeben. Der Tee wächst in den Tiefebenen des Brahmaputra, anders als in Darjeeling oder Nilgiri, wo der Tee in den Highlands wächst. Das Klima in den Niederungen Assams variiert zwischen kühlen Wintern und der heißen feuchten Regenzeit, es ist ideal für den Teeanbau. Tee wird zweimal im Jahr gepflückt; der First Flush im späten März, der Second Flush Anfang Juni bis Anfang Juli. Er wird aber als der wertvollere Tipi-Tee angesehen; er ist süßer, kräftiger und geschmacklich runder.

Insel Majuli

Majuli ist die weltweit größte Flußinsel mit einer Flächte von 420 Quadratkilometern. Auf Majuli gibt es 144 Dörfer mit insgesamt 150.000 Einwohnern. Hier finden sich viele „Satras“, wie die Klöster der Vashnavite-Glaubensrichtung, einer speziellen Form des Hinduismus mit Vishnu als zentraler Gottgestalt, bezeichnet werden. Die Mishing sind ein im Fluß lebender Volksstamm mit vier Millionen Angehörigen. Sie leben in 40 Meter langen Langhäusern, die auf Stelzen gebaut sind.

Kaziranga-Nationalpark

Der Park ist eines der letzten Schutzgebiete des Panzernashorns, von denen es dort noch rund 1.800 Exemplare gibt. Weiterhin gibt es im Park wilde Büffel, Sambar-Hirsche, Weißbrauengibbons, Leoparden, Elefanten, Tiger und Süßwasserdelfine. 1985 wurde der Park zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt