NAMIBIA – Ein einziges Naturschauspiel

Foto von NAMIBIA - Ein einziges Naturschauspiel

Irgendwann ist es für jeden mal so weit. Man will raus aus der Kälte, der Enge, der Hektik, dem Lärm. Rein in trockene Wärme, endlose Weite, afrikanische Gelassenheit und tiefe Ruhe.

Dann nichts wie weg nach Namibia, um per Allrad dieses großartige Reiseland zu entdecken. Es geht durch die weite Kalahari und die uralte Namib Wüste, zu den Robben und Pelikanen vor Swakopmunds Küste und den kleinen Tieren im Dünenmeer, zu den faszinierenden Felsgravuren von Twyfelfontein und natürlich auch den Big Five im Etosha Nationalpark.

Wir kommen am Abend in Windhoek an. Und es ist genau so, wie wir es erwartet haben und gleichzeitig auch ganz anders. Dieses Gefühl wird uns noch öfter begegnen auf unserer Reise und es ist ganz typisch für dieses so ganz fremde und gleichzeitig oft so erstaunlich vertraute Land in Afrikas trockenem Südwesten. Warme Luft und ein funkelnder Sternenhimmel in tiefschwarzer Nacht empfangen uns. Auf dem Flugfeld des Internationalen Flughafens stehen ganze ZWEI Flugzeuge.

Wir übernachten auf einer Gästefarm in der Nähe des Flughafens (nach Einbruch der Dunkelheit empfiehlt sich die 40km Fahrt nach Windhoek wegen der nachtaktiven Tiere nicht so unbedingt) und übernehmen am nächsten Morgen ausgeschlafen und entspannt unseren Allrad-Mietwagen. Auf leerer Straße geht es Richtung Süden und wir haben Gelegenheit, uns an das Fahrzeug, das Links fahren und die Straßenverhältnisse (meist Schotter) zu gewöhnen. Nach staubiger Fahrt durch die Wüste Kalahari bei blitzblauem Himmel, strahlender Sonne und sehr trockener Luft (Feuchtigkeit bei 10-15%) Ankunft in einer wahren Oase. Die Lodge verfügt über ein unterirdisches Wasserreservoir, das für üppiges Grün sorgt und so werden wir beim Eintritt in diesen Garten Eden auf echt überraschende Weise begrüßt – von einem Paar Enten, wie sie uns von den Berliner Gewässern vertraut sind.

Das Dinner gibt es am Swimmingpool unter den Sternen und bei warmer Abendluft als 4-Gang-Menü zu sehr moderaten Preisen – was für ein traumhafter Urlaubsauftakt!

Weiter geht die Fahrt Richtung Westen zu den faszinierenden Dünen von Sossusvlei. Ab dem Zaris Pass wird die Strecke spektakulär schön, wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr raus… Bizarre Bergketten gehen über in zartgrüne Ebenen, die unwirklich schöne Wüsten- und Berglandschaft hat einen ganz besonderen Zauber. Unsere nächste Unterkunft bietet sozusagen

„1. Reihe Fensterplatz“ am Sesriem Canyon mit einem absolut spektakulären Blick auf die Silhouette der Riesendünen in der Ferne. Die Cottages sind super schön, charmant und stilistisch sehr gelungen. Aufgrund ihrer Lage im Park ist dies die einzige Lodge, deren Gäste schon vor Sonnenaufgang zu den 60km auf asphaltierter Straße vom Parkeingang entfernt liegenden Dünen aufbrechen können. Ein echter Vorteil, der die eine oder andere Schwäche im Service vergessen lässt, finden wir.

Vor dem Dinner wollen wir noch schnell den Weg zu den Dünen testen, da wir ja am nächsten Morgen noch vor Sonnenuntergang losfahren wollen, da ereilt uns auf dem Parkplatz eine unschöne Überraschung: der rechte hintere Reifen ist platt. Also Reifen wechseln und schnell runter zur Tankstelle am Sesriem Gate zur Reparatur des Reifens. Darauf ist hier jede Tankstelle eingerichtet, dauert 10 Minuten und kostet 120 NAD (derzeit ca. 8,00€).

Die Nacht ist um 04.00Uhr zu Ende, wir wollen schließlich zum Sonnenaufgang an den Dünen sein! Am Ende der asphaltierten Strecke wird es dämmerhell und wir begeben uns voll Tatendrang auf das letzte Stück zu den Dünen „4×4 only“. Wozu haben wir schließlich den Allrad gebucht… Nach ca. 1km findet unser Tatendrang ein jähes Ende: wir haben uns im dicken Sand festgefahren. Mit einiger Buddelei und dem Einsatz der Gummi-Fußmatten sind wir nach einigen Versuchen wieder auf festem Untergrund und nehmen dann doch den Sossusvlei Shuttle für 100 NAD pro Person. Und dann sind wir da – die Dünen und das Death Vlei sind einfach überwältigend! Nach gefühlt 1000 Fotos machen wir uns auf den Rückweg und erkunden noch den Sesriem Canyon, was sich als unerwartet spektakuläres Erlebnis erweist, da vom Straßenniveau aus ja kaum was davon zu sehen ist.

Am Nachmittag nochmals Fahrt zu den Dünen. Wir erklimmen die berühmte Dune45 und genießen von oben den Ausblick und die absolute Ruhe. Außer uns ist nur noch ein amerikanisches Paar hier oben. Die zwei haben sich eine Flasche Wein und ein paar Cracker mitgebracht, um den Sonnenuntergang an den Dünen zu genießen. Super Idee eigentlich…

Auf unserem Weg durch die Namib Wüste in Richtung Swakopmund erwartet uns ein Wahnsinns-Panorama wechselnder Landschaften. Uralte Berge, weite, menschenleere Landschaften, ungestörte Ruhe und eine unfassbare Weite. Die Hektik daheim scheint Lichtjahre entfernt. Unterwegs Stop in Solitaire, um den berühmten Apfelkuchen von McMoose zu probieren.

An der Blutkuppe wird aus der Absicht, ein paar Fotos zu machen, spontan eine Komplettbesteigung mit einem Rundumblick in die Weite der Namib. Ein sehr besonderer Moment!

Swakopmund empfängt uns mit kühler, feuchter Meeresluft – was für ein Kontrast! Und so gehen wir am nächsten Tag „auf große Fahrt“ raus auf´s Meer mit dem Motorcatamaran Mola Mola zum Pelican Point. Die tierischen Besucher an Bord (Kormoran Frizzi, Möwe Nelson, diverse Pelikane und sogar eine Robbe) gehören offensichtlich zum Team, wir bekommen die Seelöwen-Kolonie mit ca. 17.000 Exemplaren zu sehen/hören/riechen, begegnen Benguela- und Flaschenhals-Delfinen und werden mit Austern, Sekt und einem kleinen Buffet verwöhnt. Den Abend lassen wir mit einem hervorragenden Dinner im Restaurant „The Tug“ und einem Tisch mit spektakulärem Meerblick ausklingen. Mehr Romantik geht nicht…

Eine ganz besondere Tour zu den „kleinen Tieren der Wüste“ erleben wir am Tag darauf. Tourguide Chris hat nicht nur ein enormes Wissen über die faszinierenden Überlebensstrategien, die Tiere und Pflanzen in der Wüste entwickelt haben, sondern vermittelt dieses auch mit einer fühlbaren Leidenschaft für den Erhalt dieses einzigartigen Ökosystems. Und wann erlebt man schon mal, wie ein Chamäleon vor Wohlbehagen die Farbe wechselt, nachdem ihm ein Würmchen serviert wurde.
Am Nachmittag machen wir in Swakopmund einen Bummel durch die Geschäfte und kommen mit den meist deutschen Geschäftsinhabern ins Gespräch. Mal wieder: ganz weit weg und doch auch ganz wie zu Hause….

Weiter geht es Richtung Erongo Berge, nicht ohne einen Stopp an der Spitzkoppe, die aufgrund ihrer markanten Form auch „das Matterhorn Namibias“ genannt wird. Hier hat das natürliche Sandstrahlgebläse des Windschliffs auch einen sehr eindrucksvollen Felsbogen gebildet, der wie das Murmel-Loch auf einem Riesen-Spielplatz wirkt.

Zu Füßen der Erongoberge, einem riesigen Felsmassiv, liegt unsere nächste Lodge und bietet einen traumhaften Blick auf die gegenüber liegende Felswand, in der Mineralienschürfer unter einfachsten Bedingungen versuchen, ihren ganz großen Fund zu machen. Als es dunkel wird, sehen wir tatsächlich den Lichtschein ihrer Lagerfeuer und fühlen uns ein wenig wie in einen Jack London Roman versetzt.

Die nächste Station ist eine charmante, kleine Lodge, die auf so gelungene Weise in die großen runden Felsen des Damaralandes eingepasst wurde, dass sie fast als Teil dieser faszinierenden Landschaft wirkt. Von hier aus sind es nur noch 15 km zu den erstaunlich gut erhaltenen Felsgravuren und –malereien der San, einer Kunstausstellung der ganz besonderen Art, die wir mit einem lokalen Führer erkunden.

Zurück in der Lodge erklimmen wir die 110 Stufen bis ganz auf den Gipfel des gewaltigen Steinhaufens, in den sie architektonisch perfekt integriert wurde und genießen mit unserem Sundowner in der Hand einen unfassbar schönen, geradezu magischen Sonnenuntergang.

Am nächsten Morgen geht es früh raus zur Wüstenelefanten-Tour, die wir in der Lodge gebucht haben. Nach ca. 2 ½ h Pirschfahrt macht sich Aufregung breit im Fahrzeug – wir haben sie gefunden! Ein sehr beeindruckendes Erlebnis, diese großen Tiere in vollkommener Stille und unbegrenzter Freiheit durch ihren Lebensraum wandern zu sehen! Und wir lernen dabei u.a., dass man bei Elefantenfährten immer nur zwei Fußabdrücke sehen kann, weil die Tiere, da sie ihre hinteren Füße nicht sehen können, den hinteren Fuß immer exakt in den Fußabdruck des vorderen und für sicher befundenen Beines setzen. Ganz schön clever eingerichtet von Mutter Natur!

Im wahrsten Sinne des Wortes direkt am Abgrund steht unsere nächste Unterkunft, da sie direkt an den Rand des Etendeka Plateaus gebaut wurde und damit einen atemberaubenden Blick in das Klip-Rivier-Tal bietet, das sich wie eine gigantische geologische Narbe bis zum Horizont erstreckt. Ein unglaubliches Panorama bei Tag und Nacht, denn der unfassbare Sternenhimmel Afrikas scheint hier zum Greifen nah.

Ein Muss jeder Namibia Reise ist der Etosha Nationalpark und so heißt unsere nächste Station Okaukuejo Rest Camp. Im zentralen Teil des Parks gelegen ist das Camp vor allem wegen seines nachts beleuchteten Wasserlochs berühmt, an dem man in samtweicher afrikanischer Nacht von der sicheren Sitzbank aus die Tiere an der Tränke beobachten kann. Und so beschließen wir den Abend am Wasserloch mit zwei Giraffen und sechs Nashörnern – ganz großes afrikanisches Kino!!!

Weiter geht die Fahrt durch den Park in Richtung Osten von Wasserloch zu Wasserloch, an denen wir eine Vielzahl von Tieren zu sehen bekommen. Zebras, Oryx, Springböcke, jede Menge Warzenschweine, Löwen und je weiter es in Richtung Osten geht, Elefanten, Giraffen und die verschiedensten Vögel. Es macht Spaß und ist irre spannend, mit dem eigenen Fahrzeug auf Pirsch zu sein, denn man weiß nie, was man unterwegs zu sehen bekommt.

Die nächsten zwei Nächte verbringen wir knapp außerhalb des Parks in einer Lodge mit sehr gemütlichen Safarizelten und nutzen den freien Tag dazwischen für weitere Entdeckungen im Ostteil des Parks, umrunden die wenig besuchte Fischerspfanne und erleben hier einen ganz besonderen Moment der Stille: inmitten einer Gruppe von Springböcken und Zebras bleiben wir einfach mal stehen, machen den Motor aus, fahren die Fenster runter, spüren den leichten Wind und hören die Tiere kauen. Das ist Namibia!

So langsam geht unsere Reise zu Ende und so wie man anderswo noch für ein paar Tage an den Strand fährt, gönnen wir uns zum Ausklang der Reise noch ein paar Tage auf einer gemütlichen kleinen Gästefarm auf dem Weg Richtung Windhoek. Ein paar Stunden am Pool, ein bisschen Lesen, eine kleine Wanderung und ein letzter Sundowner mit Blick auf das Wasserloch und die friedlich äsenden Tiere. Das perfekte Programm, um eine sehr abwechslungsreiche Reise ausklingen und das Erlebte „sacken zu lassen“ bevor es zurück geht in die Heimat.

FAZIT: Namibia ist einfach unglaublich! Grandiose, menschenleere Landschaften mit unvergleichlichem Farben- und Formenspiel, eine Tier- und Pflanzenwelt mit faszinierenden Überlebensstrategien in diesem wüstengeprägten Lebensraum, warmherzigen und ausgesprochen gastfreundlichen Menschen, abwechslungsreichen, charmanten Unterkünften, hervorragender Küche und Sonne, Sonne, Sonne! Wer einmal da war, wird unweigerlich ein Fan. Werden Sie es doch einfach auch!